German poem
An N. I. Kostomarov
by Taras Schewtschenko (1814–1861)
An N. I. Kostomarov
Die frohe Sonne taucht’ hinab Ins ros’ge Frühlingswolkengrab. Schon reichte man den Abendtschaj Dem armen Volk der Zitadelle. Die Schildwach’ wurde abgelöst, Die Bajonetten blitzten helle.
An diese Tür, so fest verriegelt, An dieses Gitterfensterlein Gewöhnt’ ich mich bereits ein wenig; Sogar um meine alte Pein, Um jene lang vergoßnen, bittern, Ach, lang begrab’nen, blut’gen Tränen War mir nicht leid, ob auch so reichlich Sie flossen hinter diesen Gittern, Ob auch kein grünes, frisches Blatt Ihr ödes Grab geschmücket hat.
Doch meiner Heimat dacht’ ich nun: Wen ich und wann daheim verlassen? Der Vater und die Mutter ruhn In Särgen tief. Und kaum zu fassen In seiner schwarzen Traurigkeit Stach in die Brust mich der Gedanke: Nein, niemand denkt jetzt an dein Leid!
Da sah ich, Bruder: deine kranke Geliebte Mutter wankt vorbei; Die Wangen fahl und eingefallen, Wankt sie, als ob nach Todesqualen Vom Kreuz sie abgenommen sei.
O Dank dir, Gott! Dank will ich bringen Dir bis zu meinem letzten Hauche, Daß meinen Kerker, meine Ketten, Mit niemand ich zu teilen brauche!