German poem
Auf den Tod des Taras Schewtschenko’s
by Taras Schewtschenko (1814–1861)
Auf den Tod des Taras Schewtschenko’s
Trauert nicht! Der Fall ist typisch, – Seht als wünschenswert ihn an! Also stirbt durch Gottes Fügung Russlands hochmerkwürd’ ger Mann Seit jeher. Mühsame Jugend, Reich an Hoffnung, Träumen, Plage, Kühne Reden, tolle Kämpfe – Und – des Kerkers lange Tage.
Alles dies hat er erprobt Petersburgs Gefängnismauern, Untersuchungs-Protokolle Und gendarmisches Bedauern… Dann die Orenburger Steppe, Ihre Festung elend’ Sumpf. Lebt’ er lange dort, beleidigt Und gekränkt von jedem Lump.
Lebt’ als Söldner unter Söldnern, Theilt’ ihr Los – und, ach, wie oft, Konnt’ er unter Knuten sterben, Hat er selbst vielleicht gehofft. Doch sein Leid nicht Kürzen wollend Auch um einen Augenblick, Spart’ ihn auf in Sträflingsjahren Russlands spasshaftes Geschick.
Da – zu Ende geht sein Unglück, Alles, was nur lieb und schön Und erquickend, was er seit der Frühen Jugend nicht geseh’n, Alles lächelt ihm auf einmal, Wie ein off’nes Paradies, – Da – ein Gott hat ihn geneidet, Und sein Lebensfaden riss.