German poem
In der Fremde
by Taras Schewtschenko (1814–1861)
In der Fremde
Die Sonne wärmt nicht in der Fremde Und brannte doch daheim so heiß… In der ruhmvollen Ukraine War ich ja auch nicht froh, Gott weiß. Hat mich doch niemand dort geliebt, War ich allein doch und verlassen… Ich irrte, betete zu Gott, Fluchte die feilen Herrscherklassen, Dacht’ an die alten, bösen Zeiten, Da Wahrheit kreuz’gen war die Mode; Gekreuzigt wurde Christus damals, Heut’ auch entging’ er nicht dem Tode.
Nein, nirgend bin ich froh und nirgend Werd’ ich’s auch sein – so sei es drum! Und doch auch in der fernen Fremde Wünscht’ ich, und das auch nur darum, Daß mir der Sarg vom fremden Holze Von Russen nicht gezimmert werde, Daß mir von meinem heil’gen Dnipr Auch nur ein kleines Stückchen Erde Die heil’gen Winde brächten her. Und nichts mehr, Brüder, gar nichts mehr!
Ein einz’ger Wunsch, und doch vergebens! Wird von der Zeit er weggespült! Wozu auch Gott damit beläst’gen? Er wird doch bleiben unerfüllt!