German poem
Zweyhundert drey und zwanzigstes Sonett: [»Werthvoll ist's Leben, und nach ihm zu preisen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
»Werthvoll ist's Leben, und nach ihm zu preisen In schönen Frau'n ein ehrbarliches Streben.« – Kehrt's um, o Mutter; nie ja hat's gegeben Schönheit und Werth ohn' ehrbarlich Befleißen; Und die sich ihre Ehre läßt entreißen, Ist weder Frau, noch auch lebendig eben; Und scheint sie's auch, ist's schuldvoll rauhes Leben Schlimmer als Tod und herbste Pein zu heißen. Nicht hat Lucretia Wunder mich genommen, Als daß zum Tod das Schwert sie mußt' ergreifen, Da schon der Schmerz allein ihr sollte gnügen. Die Weisen aller Zeiten mögen kommen Und sprechen drob; sie all' am Boden streifen; Nur Jene sehen himmelwärts wir fliegen.
More by Francesco Petrarca
- Zweyhundert drey und neunzigstes Sonett: [Du ließest ohne Sonn', o Tod, die Erde]
- Zweyhundert drey und sechszigstes Sonett: [O schöne Seele du, erlöst von jenen]
- Zweyhundert drey und siebenzigstes Sonett: [Mein frisches Blüthenalter schied so eben]
- Zweyhundert drey und vierzigstes Sonett: [Nimmer hat Mutter theuren Sohn beglücket]
- Zweyhundert ein und achtzigstes Sonett: [Hast Höchstes nun, was du vermagst, begangen]
- Zweyhundert ein und dreyßigstes Sonett: [Was thust, was denkst du, daß du nur nach Tagen]
- Zweyhundert ein und fünfzigstes Sonett: [Hätt' ich gedacht, daß je die Welt so ehrte]
- Zweyhundert ein und neunzigstes Sonett: [O Zeit, o Himmelslauf, der du die blinden]