German poem
Ich spreche Böses nicht, und neige
by Hafis (1326–1389)
Ich spreche Böses nicht, und neige Mich nicht zur Ungerechtigkeit;
Ich schwärze keiner Menschen Wange, Und bläue nicht das eig'ne Kleid.
Schlecht ist es, Arme oder Reiche Mehr oder weniger zu schmäh'n,
Und das Gerathenste ist immer, Nie böse Thaten zu begeh'n.
Ich schreite schön einher zu Fusse In aller Wand'rer Angesicht,
Und kümm're mich um schwarze Pferde Und um geschmückte Sättel nicht.
Ich schreibe in das Buch des Wissens Nie eine falsche Stelle ein,
Und füge das Geheimniss Gottes Nicht zu dem Blatt der Gaukelei'n.
Am Klügsten ist's, dass, wenn der Frömmler Mir den Genuss des Weines wehrt.
Ich ihn mit keinem Weine ehre, Der lauter ist und rein geklärt;
Und setzt der König ohne Achtung Die Zecherhefe an den Mund,
So gebe ich in keinem Falle Ihm Lauterkeit und Treue kund.
Den Schiffbruch der verdienten Männer Begünstiget der Himmel sehr:
Am Klügsten ist, mich nicht zu stützen Auf dieses aufgehang'ne Meer;
Und sprach ein Neider irgend Böses, Und zürnet der Gefährte dann,
So sprich zu ihm: »Sei guten Muthes! Wir hören keinen Dummen an.«
Hafis, hat sich der Feind geirret, Lass mich darum ihn schelten nicht,
Und sprach er wahr, lass mich nicht streiten Mit Einem der da Wahrheit spricht.
More by Hafis
- Ich sprach: »O Sultan du der Schönen
- Ich sprach: »Was für ein Maal, ein süsses, erblicke ich an dir?«
- Ich sprach: »Was ist die Lippe?« Er sprach: »Ein Lebensborn.«
- Ich sprech' es offen aus vor Allen
- Ich steh' nicht ab von dem Verlangen
- Ich und Heil und fromme Werke!
- Ich verbrenne, weil du mich verlassen
- Ich verlange nach dem bitt'ren Weine