Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Jünglings-Klage

German poem

Jünglings-Klage

by (1784–1847)

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Welt, wie bist du mir so wenig, Zeit, wie wirst du mir so lang; Zu dem Alterthume sehnig Wallet meines Herzens Drang. Damals war die Welt in Thaten, Lust und Leben schön und groß; Heute nur um Wein und Braten Lassen wir die Kräfte los. Zum Verdienen, zum Erwerben Treibt die Zeit uns hungrig an; Für das Große weder sterben, Weder noch ich leben kann. Selbst das Mägdlein, meine Holde, Ob sie mich auch gerne sieht, Wählt den Eh’mann nach dem Golde, Und mir, eh’ ich’s träum’, entflieht. Nicht das Schwert und nicht die Zither, Nicht der Thaten kühner Schwung, Wie zur edlen Zeit der Ritter, Flammt in mich Begeisterung. Jugendmuth und Lebenskräfte Werden in dem Wust und Staub Eitler, kleinlicher Geschäfte Meines Mißmuths Spiel und Raub. Doch der Drang des Frühlingsblutes Fordert rastlos Schwung und That: Folgt drum oft des Übermuthes Falschem, trügerischem Rath. Sucht das Leben bei der Flasche, Sucht’s im Sturm der Leidenschaft; Roh geberdet sich die rasche, Thatenlose Jugendkraft; Schläget mit Cyclopenfäusten Auf den Tisch und in die Welt, Die sich den an Lust Verwaisten Fremd und fern vom Herzen hält. Zu der Narrheit muß er flüchten, Kühnheit wird zum Trotz entweiht, Soll er gänzlich nicht verzichten Auf den Traum der schönsten Zeit. Schöne Jacken, schöne Mützen, Und die goldne Troddel dran, Sind des Jugendlebens Stützen, Vorbereitung für den Mann. Und ihr schimpft auf uns, ihr Alten, Nennet gar uns naseweis; Soll die Jugend schöner walten, Zeigt ihr einen schönern Preis; Zeiget, um sie zu erheben, Mit der Liebe Freud’ und Gunst Ihr ein thatenreiches Leben Und das Glück und Heil der Kunst.