Versos German Theodor Hell Leonardo da Vinci zu Matthäi

German poem

Leonardo da Vinci zu Matthäi

by (1775–1856)

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Kühn, mein Zögling, hast Du es begonnen, Mit mir selbst zu treten in die Schranken, Und es sollte Dir der Muth nicht wanken Bey der Fülle trefflicher Gedanken, Bey des innigsten Gemüthes Bronnen. Durch den Muth wird auch die Kraft gewonnen, Wer sich Hohes kann zum Ziele wählen Darf darob schon auf Erreichung zählen.

„Einer unter Euch wird mich verrathen!“ Also sprach der Heiland zu den Seinen, Die um ihn zum Abendmal sich einen, Tief ergriffen nannte er doch keinen, Aber alle ängstlich fragend nahten, Sich dem milden Christo, oder traten Unter sich zusammen, zu bedenken Wer doch so den Höchsten möchte kränken.

Nur der Judas mit den scheuen Blicken Sitzt allein, wagt keinem zu vertrauen Keinem in das fromme Aug zu schauen, Wohl faßt ihn ein innres, banges Grauen Unruhvoll muß er das Linnen rücken, Dann den Beutel krampfhaft an sich drücken, Nur mit sich beschäftigt, scheu betroffen, Da die andern gläubig lieben, hoffen.

Aus der Fülle meiner Andachtstunden Angeweht von heil’ger Wehmuth Schauern Goß ich’s aus dort in Milano’s Mauern, Achtend nicht, ob mich’s mög’ überdauern; Wiedergeben mußt’ ich was empfunden Sich in mir zu Form und Bild entbunden, So wie Seher ihre Worte sagen, Mögen nicht, ob man sie höre, fragen.

Also Dich, zu gleichem Künstlerwerke, Rief der innern Stimme lautes Mahnen, Und Du tratst mit Kraft in meine Bahnen, Darzustellen was im heil’gen Ahnen Dir verliehen höhre Kraft und Stärke, Daß ein jeder der es schaue merke, Wie nur das im Aeußern mag gelingen Was im Innern tief uns will durchdringen.

Und so reich’ ich Dir, ein alter Meister, Brüderlich die Hand ob Deines Strebens, Denn obschon Genoß des höhern Lebens, Fühl’ ich’s doch, auf Erden nicht vergebens Schuf ich Freude für die reinen Geister. Darum geh’ auch Du den Pfad nur dreister, Was mit frommen Sinn in Kunst wir spenden; Wird von oben Gottes Hauch vollenden.