German poem
Kügelgens sterbende Magdalena
by Theodor Hell (1775–1856)
Wohl! nun ist die Quaal geendet Und die schwere Schuld gebüßt! Magdalena hat vollendet! Wieder ist ihr zugewendet Gottes Huld; vom Himmel grüßt Sie der Engel Chor mit Tönen Aus der Sphären reinem Klang, Und der Seeligen Gesang Schallt, ihr Ende zu verschönen, Durch die Herrlichkeit entlang.
Wie auf den erbleichten Zügen Schönheit ruhet voll und reich! Seht! es scheint der Tod zu lügen; Für den höchsten Reiz genügen, Diese Züge blaß und bleich! Sind die Augen auch geschlossen. Dieser Wimpern dunkles Band, Diese schöne, zarte Hand, Die Gestalt, dahin gegossen, Zeiget nur des Schlafes Land.
Aber nein! in Gott ergeben Drückend an die schöne Brust Noch das Kreutz, scheid’ sie vom Leben; – Ruft sie nicht zurück zum Streben Gegen schnöde Erden Lust: Denn sie hat den Sieg errungen, Und die harte Geisel ruht Die mit hohem Kämpfer-Muth Sie zur Büßung hat geschwungen, Bis gleich Rosen floß ihr Blut.
Ha! dort oben in den Strahlen Jubelt schon der Engel Chor Ruft sie von den Trauermahlen, Von den Leiden, von den Quaalen, Zu der Wonne hoch empor. Denn ob Eines der verloren Und der wieder Christo nach, Sey er auch noch arm und schwach, Sich den Weg zum Heil erkoren Ist dort Freude tausendfach.