German poem
Friedrichs Domplatz
by Theodor Hell (1775–1856)
Stille Ruhe um den Dom! Tagsgestirn ist tief hinabgesunken, Nur ein roth und goldner Strom Wogt noch dort am fernen Abendhimmel Und der Wolken wunderbar Gewimmel Liegt gleich Inseln drin. Oben zieht des Mondes Sichel Blaß und halb erloschen hin Und im Zwielicht schauerlich gehalten Werden geistischer all die Gestalten.
Wie ein mächt’ger Riese hebt Das Gemäuer seine spitzen Thürme: Bis die Nacht die Erde deckt Schaut man bey den ungeheuern Massen, In die kleinen enggebauten Gassen Wo kein Laut erschallt. Ist es doch als halte alle Steinern magische Gewalt, Als ob Leben hätten nur die Recken Die sich fern und nah zum Abendhimmel strecken.
Dort nur einsam ruhig flimmt, Noch ein Lichtglanz aus den hohen Fenstern, Abendlied wird angestimmt, Eltern, Kinder, fromm zusammen treten Noch zur Nacht zu Gott dem Herrn zu beten Daß er Schutz und Hort; Und auch an des Marktes Ecke Glimmt ein blasses Licht noch fort, Denn an ihres Gatten Krankenbette Wacht die Hausfrau, wie an heiliger Stätte.
Aber von dem Söller schaut In das Dunkel, in die Riesenbilder Still dort Bräutigam und Braut. Eben aus dem heiligen Krieg gekommen Hat er nun sie an die Brust genommen, Morgen sein sie ganz. Und sie flicht aus sanfter Rührung Sich den Hochzeitskranz, Daß in frommer, reiner, kräft’ger Ehe Sie die Deutung tief und klar verstehe.