German poem
Der Abend
by Theodor Hell (1775–1856)
Giebt es wohl ein milder Glänzen Als der Abendsonne Scheiden, Wenn mit goldnen Rosenkränzen Berg und Thäler sich nun kleiden; Auf den kleinen Wellen funkeln Tausend Blüthen, auf den Zweigen Wollen, eh’ sie ruhn im Dunkeln, Liebe Sänger gar nicht schweigen, Baum und Strauch und Blume grüßen Sonne noch zu tausendmalen Und mit warmen trauten Küssen Scheiden deren letzte Strahlen. Hin zum Goldbesaumten Pfade Blickt das Hirtenpaar voll Wonne: Kleine plätscherte im Bade Spielend mit dem Glanz der Sonne, Und sie nehmen sie und legen Das Gewand ihr an bey Scherzen, Bis sie liebend sich entgegen Sinken an die treuen Herzen.